1923

Die frühen Zwanziger brachten weitere große Veränderungen: Mit Wirkung zum 1. Januar 1923 wurde das J. G. ANSCHÜTZ Germaniawaffenwerk in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Als Vorstände der Gesellschaft wurden Fritz und Otto Veit Anschütz benannt. Leider verstarb Otto Veit Anschütz nur wenige Wochen später, am 7. Februar 1923 und seine Frau Alma Anschütz übernahm die Firmenanteile ihres Mannes. Sie sollte sich als Finanzchefin des Betriebs bewähren. Fritz Anschütz war der Firmenchef oder im heutigen Verständnis der Vorstandsvorsitzende. Unterstützung bekam er –  wie damals sein Vater – von seinen beiden Söhnen Rudolf und Max Anschütz. Auch sie hatten sich bereits mit viel Eifer die umfassenden Kenntnisse des Büchsenmacherhandwerks erworben, um das Unternehmen einmal weiterführen zu können. Damit stellten sie die dritte Generation des Familienunternehmens.

Max Anschütz, ca. 1960

Rudolf Anschütz, ca. 1960

Die seit dem Beginn des ersten Weltkriegs in Deutschland strak zunehmende Inflation mündete 1922 und 1923 in einer Hyperinflation, die in großem Umfang privates Vermögen vernichtete. Städte, Gemeinden, Kreise und Privatfirmen sprangen in die Bresche und deckten den Bedarf an lebensnotwendigen Finanzmitteln mit eigenen Notgeldausgaben. Das Notgeld der Firma ANSCHÜTZ war von der Bank Wachenfeld & Gumprich in Zella-Mehlis garantiert. Der angegebene Betrag konnte nicht in Bargeld getauscht werden, aber es konnten davon Lebensmittel und Kleidung gekauft werden.

Notgeld des Unternehmens, im Wert von 500.000 Mark. Es sicherte den Mitarbeitern Lebensmittel und Kleidung. Unterschrieben von Alma Anschütz, 4. August 1923

Das Notgeld sicherte die Existenz der Mitarbeiter, wie das von Laufschmied Heinrich Kürth. Bild ca. 1930

Viele Mitglieder der Familie Anschütz waren nicht nur als Büchsenmacher und Waffenfabrikanten bekannt, sondern auch als Schützen der im Jahr 1526 gegründeten Schützengesellschaft Mehlis. So wurde Fritz Anschütz in den Jahren 1897, 1912 und 1932 gleich dreimal zum Schützenkönig gekrönt. Sein Sohn Max Anschütz konnte diesen Titel im Jahr 1934 erringen, nachdem er 1924 bereits zum zweitplatzierten 1. Ritter und 1929 zum drittplatzierten 2. Ritter wurde. 1939 schaffte er es noch einmal 2. Ritter zu werden.

Fritz Anschütz (oben Mitte, die Arme um seine Ritter gelegt) als Schützenkönig der Schützengesellschaft Mehlis, 1932.

Max Anschütz als Schützenkönig der Schützengesellschaft Mehlis. Seine Ritter stehen links und rechts neben ihm, 1934.

Die Schützengesellschaft Mehlis, ca. 1925.

Mitte der Zwanziger Jahre kehrte nach Krieg und Hyperinflation endlich wieder so etwas wie Ruhe in den Alltag ein. Hervorgebracht durch ständige Verschärfungen der Waffengesetze nach Kriegsende, entwickelte sich ein starker Trend zu Schreckschusswaffen, wie der unten abgebildeten Polizeipistole für Gaspatronen.

Hahnlose Polizei-Reizgaspistole, hergestellt ab 1925.

Durch die Einführung der Rentenmark im November 1923, die 1924 zur Reichsmark wurde, endete die Hyperinflation. Deutschland war wieder zahlungsfähig. Die Menschen – krisengeschüttelt und politikverdrossen – suchten Trost und Ablenkung. Startsignal für die berühmten Goldenen Zwanziger, schlagartig standen Glamour und Unterhaltung hoch im Kurs. Ablenkung und Unterhaltung fanden viele in der Jagd, was für eine dauerhaft hohe Auftragslage bei ANSCHÜTZ sorgte. Das umfangreiche Angebot an Pistolen und Gewehren wurde 1931 in einem neuen Katalog der internationalen Kundschaft präsentiert.

Einband des ANSCHÜTZ-Katalog von 1931

Ca. 100.000 Schaftholz-Rohlinge warten im Lager darauf verarbeitet zu werden, ca. 1930

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