1984

1984 wurde das Logo der Firma ein weiteres mal modernisiert. Von nun an bediente es sich einer schnörkellosen Groteskschrift und der Slogan „DIE MEISTER MACHER“ bildete einen soliden Sockel für die aufwärts strebende Dynamik. Den Slogan „DIE MEISTER MACHER“ haben Sportschützen kreiert. Er soll auf die zahlreichen sportlichen Erfolge mit ANSCHÜTZ-Gewehren bei nationalen wie internationalen Wettkämpfen, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen hinweisen.

Das modernisierte ANSCHÜTZ-Logo galt in dieser Form bis 2016

Mitte der 80er Jahre war ANSCHÜTZ schon längst international bekannt für hervorragende Luft- und Kleinkaliber-Matchgewehre. Schützen auf der ganzen Welt vertrauten auf Produkte aus dem Hause ANSCHÜTZ und fuhren national wie international Erfolge ein. Doch zum Ende der 70er begann eine neue Erfolgsgeschichte, die in den 80ern schnell Fahrt aufnahm: Die ANSCHÜTZ Biathlongewehre!

Nach 1945 wurde der Biathlonsport zunehmend entmilitarisiert. War es im Vorgänger des Biathlonsports, dem Militärpatrouillenlauf, noch verpflichtend dass eine Mannschaft aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Soldaten zu bestehen hatte, wurde der Sport nun zunehmend auch für zivile Athleten geöffnet. 1977 kam dann – auch unter Einfluss von Dieter Anschütz – der Wechsel von groß- auf kleinkalibrige Gewehre und die Schussdistanz wurde von bis zu 250m auf 50m verringert. Dadurch wuchs das Interesse am Biathlonsport stetig weiter, der sich heute vor allem in Skandinavien, Russland und Deutschland großer Beliebtheit erfreut.

1984 fanden die Olympischen Winterspiele in Sarajevo im damaligen Jugoslawien statt. Dort wurden in drei verschiedenen Disziplinen Biathlon-Wettkämpfe ausgetragen. 64 Teilnehmer aus 25 Ländern kämpften um die begehrten Medaillen. Einer der dabei besonders erfolgreich war, war der Deutsche Peter Angerer. Er gewann die Disziplin „Einzel 20km“ mit zwei Fehlern und holte im 10km Sprint mit nur einem Fehler Silber. Das Medaillenset vervollständigte die Bronzemedaille in der Staffel. Damit war er nicht nur einer der ersten Medaillengewinner mit einem ANSCHÜTZ Biathlongewehr, sondern zusammen mit dem Norweger Eirik Kvalfoss, der ebenfalls einen kompletten Medaillensatz mit nach Hause nahm, auch der erfolgreichste Biathlet dieser Winterspiele. Durch seinen herausragenden Erfolg bei den Winterspielen trug Peter Angerer auch dazu bei, dass in Westdeutschland das Zuschauerinteresse am Biathlon weiter wuchs und der Sport vor allem in der Fernsehberichterstattung einen deutlich höheren Stellenwert bekam als noch vor einigen Jahren.

Liegendschießen in Sarajevo, 1984

Peter Angerer mit seinem kompletten Medaillensatz bei den Olympischen Spielen in Sarajevo, 1984

Die Olympischen Sommerspiele fanden im selben Jahr in Los Angeles statt. Die damals gerade 18jährige Amerikanerin Pat Spurgin trat mit ihrem ANSCHÜTZ Luftgewehr das erste Mal bei Olympischen Spielen an den Schießstand. Sie setzte sich nicht nur gegen 32 andere Teilnehmerinnen durch und gewann Gold, sie stellt dabei mit 393 Ringen auch noch einen olympischen Rekord auf. Eine sensationelle Leistung!

Dieter Anschütz gratuliert Pat Spurgin zum Gewinn der olympischen Goldmedaille, 1984

Zwei Jahre später fanden die 44. Weltmeisterschaften der Schützen im Ostdeutschen Suhl statt. In der Disziplin „50m Dreistellung Mannschaft Herren“ holten die Tschechoslowaken Petr Kurka, Pavel Soukenik und Milan Bakes mit ihren ANSCHÜTZ-Gewehren und 3522 von 3600 möglichen Ringen den Weltmeistertitel.

Dieter Anschütz überreicht der tschechoslowakischen Mannschaft die ANSCHÜTZ-Ehrennadel in Gold für den Sieg bei der Weltmeisterschaft in Suhl, 1984

Da Zella-Mehlis, die alte Heimat der Familie Anschütz, nur 10km von Suhl entfernt liegt, nutze Dieter Anschütz die Gelegenheit um in der alten Anschütz-Villa während der Weltmeisterschaft Vertreter der ISSF (International Shooting Sports Federation) zu einem Thüringer Bratwurstessen einzuladen. Über 40 Jahre nachdem die Amerikaner 1945  in Zella-Mehlis einmarschierten und Dieter Anschütz und seine Familie aus Zella-Mehlis fortbrachten, fand in der Villa in der Regenbergstraße endlich wieder ein Fest der Familie Anschütz statt. Während des Festessens war die Stasi rund um das Haus allgegenwärtig. In dem Haus lebten in DDR-Zeiten eine Cousine von Dieter Anschütz, auch heute ist die Villa noch von näheren Verwandten bewohnt. Sie stellte die Räumlichkeiten für das Fest zur Verfügung und kümmerte sich um das Braten der berühmten Thüringer Würste.

In der Anschütz-Villa in Zella-Mehlis empfing Dieter Anschütz (Stirnseite) 1986 die offiziellen Vertreter des internationalen Schützenwesens. Darunter Olegario Vázquez Raña aus Mexico (rechts neben Dieter Anschütz), Präsident der ISSF, rechts neben ihm ISSF-Generalsekretär Horst G. Schreiber (BRD) und Kampfrichter Bill Krilling (USA). Daneben Wolfgang Schreiber, Redakteur der ISSF News und Norbert Ussfeller vom ANSCHÜTZ-Serviceteam. Links von Dieter Anschütz sitzen Andreas Hartinger, damaliger Präsident des Deutschen Schützenbundes und Jesus Elizondo, internationaler Kampfrichter aus Mexico.

Durch den Besuch in der alten Heimat hatte Dieter Anschütz auch noch eine letzte Gelegenheit das alte Fabrikgelände zu besuchen. Dieses wurde seit 1945 nicht mehr genutzt und verfiel leise vor sich hin. Daher entschied man sich im Jahr 1988 – 92 Jahre nach Baubeginn – die Gebäude abzureißen. Nachdem das Fabrikgebäude ausgeräumt war, wurde das übrig gebliebene Skelett des Gebäudes gesprengt und zerfiel in Schutt und Asche. Die Überreste wurden fortgeschafft und heute ist an dem Ort an dem einst hochpräzise Gewehre gefertigt wurden nur noch ungenutztes Brachland.

Der Anfang vom Ende. Das alte Fabrikgebäude in Zella-Mehlis ist bis auf die tragenden Wände abgerissen.

Das Gebäude wurde gesprengt.

Der Schutt wurde fortgeschafft. Heute erinnert nichts mehr an die einst weltweit bekannte Fabrik die dort einmal stand.

Gary Anderson hatte sich  1969 aus dem aktiven internationalen Wettkampf zurückgezogen. Von da an widmete er seine Zeit und Energie weiterhin dem Schießsport, indem er junge Schützen trainierte, Schießkurse gab, bei zahlreichen Schießsportveranstaltungen sprach und Hunderte von Zeitschriftenartikeln und drei Bücher über das Schießen verfasste. Selbst während seines „Rücktritts“ vom Schießwettbewerb nahm er an den National Rifle Association National Highpower Championships in Camp Perry (Ohio) teil und gewann 1973, 1975 und 1976 die President’s National Trophy. 1996 war er bei den Olympischen Spielen in Atlanta (USA) Direktor des Olympia-Schießstandes und für den Bau der gesamten Anlage verantwortlich. Heute ist er Vizepräsident der ISSF und Präsident der Civilian Marksmanship Unit in Camp Perry. In einem Interview mit einer großen US-Fachzeitschrift betonte Anderson: „Wir Schützen haben es sehr geschätzt, dass unsere Ideen und Anregungen bei ANSCHÜTZ immer auf fruchtbaren Boden gefallen und umgehend in die Produkte eingeflossen sind. Und wenn wir uns an unsere Gewehre irgendein nützliches Detail selbst gebastelt haben, wie die Backenverstellung oder Modifikationen an der Schaftkappe, oder die Form des Griffs veränderten, waren diese Neuerungen bald darauf bei ANSCHÜTZ als Zubehörteile erhältlich.“ Auf der Shot Show in Las Vegas kam es 1990 zu einem Wiedersehen zwischen Anderson und Dieter Anschütz. Dieser überreichte ihm in Anerkennung seiner Verdienste um den Schießsport einen Teil der erst vor wenigen Monaten gefallenen Berliner Mauer.

Dieter Anschütz überreicht Gary Anderson auf der Shot Show 1990 in Las Vegas ein Stück der Berliner Mauer.

Kurz nach der Shot Show in Las Vegas, am 22.04.1990 feierte Dieter Anschütz seinen 60. Geburtstag. Zu diesem Anlass schenkten ihm die Schützen der US-Nationalmannschaft eine Plakette um sich für seine jahrelange Unterstützung für sie und den gesamten Schießsport zu bedanken.

Das Geschenk der US-Nationalmannschaft zum 60. Geburtstag von Dieter Anschütz.

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